Bilder wie gemalt

oder die Poesie der Wirklichkeit

 

Die Wirklichkeit wird nicht mit dem Intellekt allein erfasst. Scharf gestochene Bilder und eine Fülle von Details vermögen nicht die Gesamtheit dessen zu erfassen, was ist.

Gefühle, Stimmungen und Atmosphäre werden durch die Unschärfe vermittelt. So wie Maler das Sfumato oder die Verblauung nutzten um Stimmungen auszudrücken, so hat sich die Unschärfe oder das Bokeh in der Fotografie dafür durchgesetzt. Durch die geringe Auflösung und eine starke Vergrößerung des Motivs zeigen sich in ihm farbige Pixel, die das bloße Auge nicht wahrnehmen kann.

Bilder, verblichen wie eine Erinnerung, fließend wie ein Traum und unscharf wie eine Illusion. Mit einem Blick scheint alles greifbar und ist doch nicht zu fassen. Der Blick kann frei schweifen und wird nicht gelenkt.

Das unscharfe Bild darf schweigen oder in seiner eigenen, leisen Tonlage sprechen. Mit seiner Distanz und seiner Rätselhaftigkeit lädt es dazu ein sich der eigenen Phantasie zu bedienen um die Leerstellen zu füllen. Dafür wird es geliebt.

 

Pictures like painted or the poetry of reality

To discern reality not only the intellect is required. A sharp vision taking in hundreds of details, can still not grasp the entity of what there is.

Feelings, emotions and atmosphere are expressed by blurring. Like painters used Sfumato to express atmosphere, so is blurring or Bokeh used by photographers. Little resolution and a strong blow-up of the motif show colored pixels the eye cannot grasp.

Pictures are faded like something remembered, floating like a dream and blurred like an illusion. With one look everything seems tangible but elusive. Gaze can roam freely without being directed.

The blurred image may be silent or articulate itself in its own gentle theme. With its distance and its mysteriousness it invites to use one’s phantasy to fill the gaps. In return the blurred image is being loved.